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gemeinwohl-deutschlandDie Bundesregierung möchte von den Bürgern wissen, was für sie wichtig ist und ihre eigene Politik stärker daran ausrichten. Das ist ganz wunderbar. Aber Lebensqualität und Gemeinwohl werden auch von vielen anderen Akteuren beeinflusst. Wenn sich Unternehmen und andere Organisationen verstärkt für das Gemeinwohl einsetzen und gemeinsam mit den Menschen und der Politik an neuen Lösungen arbeiten, dann ist eine dauerhaft gesicherte Verbesserung von Lebensqualität – Fortschritt – eher möglich.

Ein Team der Universität St. Gallen um Professor Timo Meynhardt hat nun für ihren Gemeinwohlatlas knapp 8.000 Menschen in Deutschland befragen lassen. Sie wollten wissen, wie stark verschiedene Organisationen vier menschliche Grundbedürfnisse erfüllen, die der amerikanische Psychologe Seymour Epstein identifiziert hat:

  • Aufgabenerfüllung: Die Organisation leistet im Kerngeschäft gute Arbeit.
  • Zusammenhalt: Die Organisation trägt zum Zusammenhalt in Deutschland bei.
  • Lebensqualität: Die Organisation trägt zur Lebensqualität in Deutschland bei (Ich würde das eher „Wohlbefinden“ nennen, da Lebensqualität für mich mindestens auch Zusammenhalt und Anstand mit einschließt).
  • Moral: Die Organisation verhält sich anständig.

Im Einsatz für das Gemeinwohl liegt die Feuerwehr an erster Stelle. Es folgen andere gemeinnützige oder staatliche Organisationen wie das Technische Hilfswerk oder die Bundespolizei. Unternehmen schneiden in der Wahrnehmung der Deutschen nicht so gut ab. Vor dem Dieselskandal war Volkswagen mit Platz 22 das Unternehmen mit der höchsten Gemeinwohlvermutung. Danach fiel es auf Platz 101. Am unteren Ende der Rangfolge finden sich einige sehr bekannte Unternehmen: McDonald’s, Facebook, die Deutsche Bank und Bild.

Durch diesen Gemeinwohlatlas erhält die ohnehin schon laufende gesellschaftliche Diskussion um den Beitrag der Unternehmen zur Lebensqualität der Kunden, der Mitarbeiter und der Gesellschaft insgesamt neue und qualitativ hochwertige Impulse.

Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn Unternehmen oder Branchen Dialogprozesse mit ihren verschiedenen Partnergruppen verstärken, ähnlich wie die Bundesregierung es zurzeit macht. So könnten in partizipativen Prozessen gemeinsam Wege für mehr Gemeinwohl erarbeitet werden.

Vermutlich spielen dann neben den subjektiven Einschätzungen aus dem Gemeinwohlatlas auch objektive Messgrößen eine Rolle. Darunter könnten z.B. die Bezahlung der Mitarbeiter oder auch der Ausstoß von Schadstoffen sein, wie sie in den Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative zu finden sind.

Wir alle haben als Kunden oder Mitarbeiter viele Gelegenheiten, um von den Organisationen in der Zukunft einen höheren Beitrag zum Gemeinwohl einzufordern oder können sogar aktiv dazu beitragen. Moralisch anständiges Handeln mit positiven Effekten auf Zusammenhalt und Wohlbefinden sollte langfristig gut für das Kerngeschäft jeder Organisation sein.

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