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HDI2015Heute hat das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen seinen neuesten Bericht über die menschliche Entwicklung präsentiert. Den darin enthaltenen wunderbaren Index menschlicher Entwicklung gibt es nun seit 25 Jahren. Er umfasst mit Gesundheit, Bildung und Einkommen drei der wichtigsten Aspekte von Lebensqualität und wird für 188 Länder berechnet. Seit „BIP allein macht nicht glücklich“ verfolge ich ihn und habe ihn mit unserem Fortschrittsindex ergänzt.

Deutschland liegt in der Rangliste der Vereinten Nationen mit Platz 6 ganz weit oben, wie die Grafik zeigt. Knapp davor sind Norwegen, Australien, die Schweiz, Dänemark und die Niederlande platziert. Das sind alles Länder, in denen immer wieder gute Projekte für mehr Lebensqualität entstehen. Auch in Mittel- und Südamerika finden sich laut Definition der Vereinten Nationen hochentwickelte Länder (z.B. Uruguay auf Platz 52, Costa Rica auf 69.). Das oft genannte Bhutan mit seinem Bruttonationalglück liegt dagegen nur auf Platz 132.

Mindestens genauso wichtig wie die Messung von Lebensqualität sind konkrete Maßnahmen zu deren Verbesserung. Der Weltentwicklungsbericht setzt hier jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt. 2009 war es z.B. Mobilität, 2011 Nachhaltigkeit und im vergangenen Jahr Resilienz. Dieses Jahr dreht sich alles um Arbeit. Auch für ein hochentwickeltes Land wie Deutschland gibt es hier noch einiges zu tun. Hier einige der Herausforderungen, die die Vereinten Nationen nennen:

  • Wie gehen Gesellschaften mit der wichtigen, aber unbezahlten Arbeit in Pflege und Betreuung um? Diese Arbeit wird global zu drei Vierteln von Frauen erbracht. Ihre Ergebnisse gehen aber nicht in das Bruttoinlandsprodukt ein. Vermutlich erhält sie auch in Deutschland nicht die Wertschätzung, die sie gesellschaftlich haben sollte.
  • Die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Tätigkeit ist in Deutschland ebenfalls ein Thema. Dazu kommt die unterschiedliche monetäre Anerkennung „typisch weiblicher“ und „typisch männlicher“ Berufe sowie die ungleiche Aufgabenverteilung zu Hause.
  • Zudem gibt es auch in Deutschland viele Menschen, die mit dem schnellen Strukturwandel durch Digitalisierung und Globalisierung aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zurechtkommen. Welche (zweite) Chance für ein gutes Leben und welche Wertschätzung geben wir diesen Menschen?
  • Die internationalen Lieferketten erhalten auch für deutsche Hersteller und Händler einen immer höheren Stellenwert. Die Vereinten Nationen weisen in ihrem Bericht speziell auch auf Produkte aus fairem Handel hin.

Der 6. Platz im Gesamtindex und eine momentan erfreulich niedrige Arbeitslosenquote bedeuten also nicht, dass in Deutschland alles in Butter ist. Es gibt noch einiges zu tun.

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