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Bild mit UnsicherheitenIm letzten Blogbeitrag hatte ich darauf verwiesen, dass komplexe gesellschaftliche Systeme eine andere Führung und andere Prozesse brauchen als komplizierte Systeme. Viele Methoden der Zukunftsforschung und der Organisationsentwicklung sind dafür wunderbar geeignet. Sie können einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Verbesserung der Lebensqualität leisten.

Darauf war ich mit Blick auf die staatliche Ebene in der ersten Studie des Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt eingegangen. Auch im großartigen Projekt von Katrin Brockmann zu Strategischer Vorausschau ging es darum, wie „Interessen und Wünsche klarer zu definieren und Gestaltungsoptionen für langfristige Entwicklungen zu erarbeiten“ sind. Ebenfalls wegweisend sind die Arbeiten zu Antizipation (Blogbeitrag zur Konferenz im Oktober) und Bücher wie das Foresight-Managementhandbuch mit dem Fokus auf partizipative Prozesse. Vom Dialog geht der Weg zum Handeln, mal mit Visionen und Indikatoren, mal ohne.

Szenarioprozesse sind ein konkretes Beispiel für diese Vorgehensweise. Sie sind besonders geeignet für Herausforderungen, die von großer Unsicherheit geprägt sind. Hier kommen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammen, um über eine für sie alle relevante Frage zu sprechen. Große Unsicherheiten werden gemeinsam identifiziert und üblicherweise vier Szenarien entwickelt. Dann kann man darüber reden, welches dieser Szenarien besonders wünschenswert sein könnte, wie sich messen lässt, auf welches Szenario man sich zubewegt, und vor allem, was getan werden kann, um Entwicklungen zu verstärken, zu bremsen oder sich an sie anzupassen. Es geht weder um Prognosen noch um Wahrscheinlichkeiten, sondern um einen gemeinsamen Lernprozess. So erhält man mehr Klarheit für heutiges Handeln und ist besser auf die Unwägbarkeiten der Zukunft vorbereitet.

Trotz eines breiten Methodenspektrums und erfolgreicher Praxisbeispiele wie dem Foresight Prozess des BMBF werden diese partizipativen Methoden noch nicht so breit zu gesellschaftlichen Themen eingesetzt, wie es meines Erachtens wünschenswert wäre.

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