Seite auswählen

Gemeinsam arbeitenIn meiner Arbeit zu Lebensqualität begegnet mir seit Jahren immer wieder ein Querschnittsthema: das des Miteinanders, der Gemeinschaft, der Kommunikation oder letztlich der Gesellschaft (Luhmann). In der Studie „Zukunftsforschung für Staaten“ hieß das noch etwas sperrig „breit angelegte, offene, disziplinen- und ressortübergreifende Prozesse der Kommunikation“. „Die Kraft gesellschaftlicher Visionen“ hob „gemeinschaftlich geteilte und damit wirkungsvolle Visionen“ hervor. Auch in „Die glückliche Variante des Kapitalismus 2.0“ (schöner Artikel dazu in Die Welt) geht es um das Miteinander: angefangen vom Indikator zur Toleranz bis zu den Mitsprache-und Entfaltungsmöglichkeiten der Menschen, die sich in den Indikatoren zu Demokratie, Gleichberechtigung und Pressefreiheit mit abbilden.

Besonders sichtbar was das Thema aber in den Befragungen zu „Schöne Aussichten – Forum für Frankfurt“. Mit weitem Abstand beschäftigt die Menschen das Miteinander am meisten: zwischen Jung und Alt, Arm und Reich, Weiß und Bunt, mit und ohne Kinder, mit und ohne Auto usw. Um dieses Zusammenleben zu verbessern, geht es in der Vision um „Zusammenkunft, Dialog und Austausch“.

Wirklich überraschend ist das alles nicht. Der Mensch ist eben ein soziales und kommunizierendes Wesen.

Nun durfte ich gemeinsam mit Kirsten Brühl für die randstad stiftung der Frage nachgehen, welche neuen Räume es gibt, in denen Menschen miteinander reden und arbeiten, wo sie Gemeinschaft und Zugehörigkeit erleben. Kirsten Brühl hatte schon für die Reihe „Schöne Aussichten“ des Fortschrittszentrums eine Nachhaltigkeitsvision porträtiert und sie hatte die ersten beiden großen Veranstaltungen von „Schöne Aussichten –Forum für Frankfurt“ mit konzipiert und moderiert.

In und um Frankfurt konnten wir jetzt mit 12 Menschen sprechen, die Orte organisieren, an denen die Zukunft der Arbeit schon heute gelebt wird, wo neu und anders gemeinsam („co-“ wie in collaboration, cooperation, co-creation usw.) gearbeitet wird. Diese aufschlussreichen Gespräche haben wir mit einer sogenannten „qualitativen Inhaltsanalyse“ ausgewertet. Herausgekommen ist die frei zugängliche Studie „Gemeinsam arbeiten: Neue Räume für die urbane Co-Kultur“ mit sechs Hauptergebnissen und vielen Anregungen für Politik, Unternehmen und jeden Einzelnen.

Zu den Hauptergebnissen gehört, dass diese neuen Räume – wie erwartet – das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft und Kommunikation befriedigen können. Zudem haben sie ein hohes Potential für Innovationen, was sowohl Unternehmen als auch gemeinnützige Organisationen und Einzelpersonen erkennen und nutzen. Von alleine passiert das alles allerdings nicht. Es braucht aktive Gastgeber, Raumgestalter, neudeutsch „Hosts“, die das gelingende Miteinander hegen und pflegen. Mehr solcher „Raumgestalter“ auf der kommunalen Ebene lässt übrigens die „Ressortübergreifenden Strategie ‚Soziale Stadt – Nachbarschaften stärken, Miteinander im Quartier‘“ der Bundesregierung erhoffen, die gestern beschlossen wurde.

Translate »