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Logo gut lebenBald ist es soweit. Am Mittwoch wird das Bundeskabinett den Regierungsbericht „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist“ beschließen. Die Bundeskanzlerin hat ihren jüngsten Podcast dem Thema gewidmet; der heutige Newsletter von „Gut leben in Deutschland“ fasst den Prozess zusammen; auf der Webseite sind die Themenfelder bereits sichtbar; und die FAZ hat den Bericht schon vorab.

Anfang 2012 durfte ich den Textentwurf meiner Arbeitsgruppe „Wohlstand, Lebensqualität und Fortschritt“ im Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin mit den Vorschlägen zu Dialog, Visionen, Indikatoren und Handeln einreichen. Darin bezogen wir uns auf gute Erfahrungen mit ähnlichen Prozessen in anderen Ländern. Eine Rückmeldung damals war: „Herr Bergheim, das ist ja eine ganz andere Art Politik zu machen.“ Ja, so war es gemeint – in Ergänzung und Erweiterung der repräsentativen Demokratie.

Meine Begeisterung über den „Gut leben“ Dialog hatte ich bereits im Video zur „Weiterentwicklung der Demokratie“ und im Blogbeitrag zu „Demokratische Innovationen“ zum Ausdruck gebracht. Dort beziehe ich mich auch auf die Kriterien für demokratische Innovationen, die Brigitte Geißel erarbeitet hat. Diese reichen von inklusiver Partizipation über qualitativ hochwertigen Austausch bis hin zur Bürgerbildung. All das durfte ich als Teilnehmer einiger Dialogveranstaltungen 2015 live erleben. Besonders gefreut hat mich, dass die Bundesregierung so aktiv auf „schwer erreichbare Gruppen“ zugegangen ist, um eine möglichst inklusive Partizipation zu erreichen.

Unumstritten ist der Zugang über den Dialog nicht. Viele Wissenschaftler bevorzugen den Zugang über Expertengutachten und würden lieber einen “Rat für Wohlstand und Lebensqualität“ sehen, gegen den ich mich damals im Zukunftsdialog in einem Minderheitenvotum ausgesprochen hatte (Vorschlag 9 auf Seite 110 des damaligen Berichts). Für komplexe gesellschaftliche Systeme reichen Expertengremien aber nicht, wie zum Beispiel Snowden und Boone im Harvard Business Review für mich überzeugend darlegen, worauf ich mich in diesem Blogbeitrag beziehe.

Nach einem Dialog kommt aus meiner Sicht idealerweise die Zusammenfassung des Gehörten zu positiven Zukunftsbildern – zu Visionen. So kann ein umfassenderes Bild sichtbar werden, als allein über die Indikatoren und deren Beschreibung. Den Schritt der Visionen wollte man in Berlin nicht gehen. Aber auch ohne explizit ausformulierte Visionen können relevante Indikatoren sichtbar werden. Dazu dieser Blogbeitrag nachdem die Indikatoren veröffentlicht wurden. Und vor allem kann von Staat, Zivilgesellschaft und anderen Akteuren entsprechend gehandelt werden. Ich bin gespannt auf den „ressortübergreifenden Aktionsplan“, wie im Koalitionsvertrag von 2013 vereinbart.

Nun wäre es aus meiner Sicht wünschenswert, wenn es auf allen Ebenen mehr dieser Dialogprozesse mit daraus abgeleiteten Visionen, Indikatoren und entsprechendem Handeln geben würde. Der hessischen Landesregierung konnte ich in diesem Sommer auf ihrer Klausurtagung– wenig überraschend – eine „Regierungsstrategie gut leben in Hessen“ empfehlen. Mit „Schöne Aussichten – Forum für Frankfurt“ haben wir einen Lebensqualitätsprozess auf kommunaler Ebene durchgeführt, viel gelernt und wichtige Indikatoren sichtbar gemacht. Das kleine „Handbuch Lebensqualitätsprozesse“ bietet praktische Anregungen für Menschen, die ähnliche Prozesse an anderen Orten durchführen wollen.

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