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Kanzleramt 2012Das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt ist parteipolitisch neutral. Wir arbeiten mit Personen zusammen, die offen sind für eine intensive Beteiligung von Menschen, für eine breite Messung von Lebensqualität – und die entsprechend handeln wollen. So hat der SPD-Oberbürgermeister das Grußwort für „Frankfurt, was zählt!“ geschrieben. Eine besonders wichtige und langfristige Zusammenarbeit ergab sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nun für eine weitere Amtszeit kandidiert.

Bereits im Februar 2009 war ich auf einem Werkstattgespräch zu „Wohlstand und Lebensqualitäten“ im Kanzleramt dabei. Im Jahr 2011 lud mich die Bundeskanzlerin dann ein, in ihrem Dialog über Deutschlands Zukunft ehrenamtlich die Arbeitsgruppe „Wohlstand, Lebensqualität und Fortschritt“ zu leiten. In diesem Dialog kamen viele Stimmen zu Wort, um neue Ideen für die Zukunft des Landes zu entwickeln, die auch heute noch lesenswert sind. Das Bild zu diesem Blogbeitrag entstand im Jahr 2012.

Die Treffen mit der Bundeskanzlerin 2011 und 2012 haben mich sehr beeindruckt. Sie hat aufmerksam zugehört und hatte eine klare Vorstellung von hilfreichen und weniger hilfreichen Projekten rund um das Thema Lebensqualität. In der Praxis kann sie diese Vorstellungen natürlich nicht immer umsetzen. Dafür gibt es zu viele andere Interessengruppen in der Partei, der Koalition, den Ministerien usw. Aber sie nutzt passende Gelegenheiten, um weiter zu kommen. Zur Lebensqualität war dies der Koalitionsvertrag der Bundesregierung 2013. Dort wurde ein Dialog über Lebensqualität aufgenommen, mit dem Regierungshandeln stärker an den Werten und Zielen der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet werden soll. Die Umsetzung dieses Vorhabens als Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland“ habe ich 2015/16 ehrenamtlich im wissenschaftlichen Beirat begleitet. Auf Aufforderung der Bundeskanzlerin konnte ich während der Multiplikatorenveranstaltung im Dezember 2014 über unsere Erfahrungen aus „Schöne Aussichten – Forum für Frankfurt“ berichten.

Oft wird der Bundeskanzlerin der Vorwurf gemacht, dass sie nicht genug Führungsstärke zeigt und die Richtung für das Land nicht klar genug vorgibt. Dieser Vorwurf basiert auf einem veralteten Führungsverständnis, das in Presse, Politik und Unternehmen noch oft anzutreffen ist. In diesem Verständnis versuchen „Helden“ ihre Zukunftsvorstellung (oder die ihrer Experten) mit Macht durchzusetzen und wundern sich dann oft genug, dass es nicht funktioniert. Moderne Führungskräfte in komplexen Sytemen sind Gastgeber für alle Betroffenen, sie hören viel zu und entscheiden erst danach auf Basis des Gehörten. Ihnen gelingt der Spagat zwischen hilfreicher Offenheit und notwendiger Orientierung. Natürlich haben sie eine Vorstellung von gelingender Zukunft. Aber sie lassen auch Raum für andere Ansichten. Dabei hören sie nicht nur den besonders lauten Stimmen zu, sondern gehen aktiv auf die nicht so oft gehörten Stimmen zu. Hier hat die Bundesregierung in „Gut leben in Deutschland“ neue Maßstäbe gesetzt u.a. mit Straßenkindern, Senioren und Menschen mit einer Hörbehinderung. aber auch mit den Veranstaltungen der Kanzlerin in Rostock und Marxloh.

Neben diesen Verbesserungen im politischen Prozess – die hoffentlich auch nach ihrer Kanzlerschaft weiter wirken – hat Angela Merkel vermutlich einen Anteil daran, dass Deutschland heute Mitglied der „Glücklichen Variante des Kapitalismus“ ist. Weiteren Handlungsbedarf gibt es natürlich. Nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch bei der Presse, der Wirtschaft und wohl bei uns Bürgern.

Update: Meine Studie „Besser leben in Deutschland“ vom April 2017.

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