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Gleich vorweg: ich finde es gut, dass Bundesinnenminister de Maizière eine neue Diskussion über das Zusammenleben der Menschen in Deutschland angestoßen hat. Seine Frage nach dem „Wer wollen wir sein?“ ist nicht weit weg von der Frage der Lebensqualitätsdiskurse nach dem „Wie wollen wir leben?“. Sein „Was macht uns aus?“ ist nicht weit weg von „Was ist uns wichtig?“. Es geht um die Erzählung, die wir uns von und über uns selbst machen. Über das gelingende Leben und auch über das „wir“. Eine Erzählung, die sich immer wieder verändert. Nur wenn sie sichtbar wird, kann sie weitentwickelt werden. De Maizière macht seine Version sichtbar.

De Maizière geht den „ungeschriebenen Regeln“ und der „Richtschnur des Zusammenlebens“ in Deutschland nach. Dabei ist er sich wohl bewusst, dass ähnliche Regeln auch in anderen Ländern gelten können. Diesen Punkt gilt es mit Blick auf die Lebensqualität zu unterstreichen. Die Länder mit hoher Lebensqualität haben viele Gemeinsamkeiten. Dazu gehört die Toleranz gegenüber anderen Menschen, die auch de Maizière nennt. Ebenso eine hohe Bildung und die Freiheit von Wirtschaft und Presse. So haben meine 10 Thesen für eine Lebensqualitätskultur einige Parallelen zu den 10 Thesen des Bundesinnenministers, setzen aber auch andere Schwerpunkte:

  1. Die Menschen in Deutschland begegnen ihren Mitbürgern auf Augenhöhe und respektieren sich gegenseitig. Gemeinsam engagieren sie sich für das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, Generationen und Lebensformen. Ergebnis ist ein hohes Vertrauen in die Mitmenschen.
  2. Wir sehen Bildung als Grundlage für ein gelingendes Lebens und ermöglichen so vielen Menschen wie möglich einen Schulabschluss und eine Grundbildung in Lesen und Schreiben.
  3. Wir legen Wert darauf, dass die materielle Ungleichheit nicht zu groß wird und ermöglichen insbesondere den Kindern aus ärmeren Familien eine angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
  4. Männer und Frauen gehen den Weg zu beruflicher und privater Gleichberechtigung weiter – auch mit Kindern.
  5. Die Menschen in Deutschland achten auf ihre körperliche und seelische Gesundheit, was sich in ihrenLebens- und Ernährungsgewohnheiten wiederspiegelt. Wir nehmen die Hilfe anderer an, wenn es uns nicht gut geht.
  6. Zu Deutschland gehören eine gut funktionierende Demokratie und ein effektiver Staat. Engagierte und gut informierte Bürger versuchen gemeinsam mit nachvollziehbar handelnden Politikern die Zukunft zu gestalten – auch wenn die Aushandlungsprozesse mühsam sein mögen. Eine freie, vielfältige Presse leistet einen wichtigen Beitrag dazu.
  7. Die wirtschaftliche Freiheit der Menschen ist wichtig für ihre persönliche Entfaltung und für den materiellen Lebensstandard unserer Gesellschaft. Daher sind Korruption und Schwarzarbeit nicht akzeptabel.
  8. Wir respektieren das Bedürfnis aller Menschen nach Sicherheit und Unversehrtheit von Körper und Eigentum. Wir respektieren das staatliche Gewaltmonopol.
  9. Wir versuchen im Einklang mit der Natur zu leben, statt sie auszubeuten. Umweltbewusste Energieerzeugung, Produktion und Konsum sind uns wichtig. Wir berücksichtigen auch die Umweltschäden, die wir in anderen Ländern verursachen.
  10. Wir suchen zwar regelmäßig nach Wegen, wie wir unsere Gesellschaft noch besser machen können – sind dabei aber sehr zufrieden mit dem was wir individuell und als Gemeinschaft erreicht haben.

Diese 10 Thesen bauen auf den Visionen aus „Schöne Aussichten -Forum für Frankfurt“ sowie auf den Studien „Besser leben in Deutschland“ und „Die glückliche Variante des Kapitalismus 2.0“ auf. Zu jeder These gibt es dort die zugehörigen Indikatoren. Vieles läuft da in Deutschland bereits sehr gut – an anderen Stellen sind wir noch ein gutes Stück vom Ideal entfernt. Ich bin gespannt darauf, wie die Diskussion weitergeht.

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