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Fahne JamaikaVermutlich wird Deutschland in den nächsten vier Jahren von einer Koalition aus drei Parteien regiert (oder vier je nachdem, wie man die CSU einordnet). Drei Parteien, die recht unterschiedlich sind und die in den letzten 12 Jahren einiges durchgemacht haben. Und ein Land, das vor großen Herausforderungen steht. Ich hätte einen Methodenvorschlag, wie diese sicherlich nicht einfachen Koalitionsverhandlungen zu einem guten Ergebnis für alle Beteiligten geführt werden könnten.

Meine Vermutung, wie Koalitionsverhandlungen (und viele andere Verhandlungen) üblicherweise ablaufen ist grob vereinfacht und zugespitzt diese: Jede Gruppe legt sich ihre wichtigsten Projekte aus Wahlkampfzeiten zurecht und einige Projekte als Verhandlungsmasse. Dann trifft man sich und schaut zunächst, welche davon für alle akzeptabel sind und welche aus der Verhandlungsmasse gestrichen werden. Anschließend werden mit viel Zähneknirschen noch einige kontroverse Projekte auf die lange Bank geschoben oder ebenfalls gestrichen. Am Ende steht eine Sammlung von mehr oder weniger stimmigen Projekten, die jeweils von einer Partei weiterverfolgt werden. Einige für das Land wichtige Themen bleiben möglicherweise liegen.

Hier ein Vorschlag wie man anders vorgehen könnte mit dem Ziel eine gemeinsame Basis und dazu passende Projekte für eine langfristig bessere gesellschaftliche Entwicklung zu finden. Jede der drei Parteien entsendet 6 (oder 9 Personen) für 2 Tage in die Verhandlungen mit vier Phasen:

In der ersten Phase werden die letzten 12 Jahre aufgearbeitet. Jede 6er-Gruppe stellt zusammen, was aus ihrer Sicht in Deutschland besonders gut gelaufen ist und was nicht. Alle wichtigen Ereignisse werden auf einer Zeitachse dargestellt und dann den anderen Gruppen präsentiert. So wird sichergestellt, dass alle wissen woher die verschiedenen Gruppen kommen. Einigkeit über die Einschätzung der Vergangenheit ist nicht notwendig.

In der zweiten Phase werden die Trends gesammelt, die heute in und auf Deutschland wirken. Hier geht es darum, ein gemeinsames Verständnis von den Trends zu entwickeln und die Wechselwirkungen zwischen diesen zu sehen. Für jede Partei können die Trends unterschiedlich wichtig sein.

In der dritten Phase formulieren gemischte 3er Gruppen Bilder einer gelungenen Zukunft in Deutschland in 10 Jahren und stellen diese dann den anderen vor. Während der Präsentationen sammeln alle Teilnehmer Punkte, die für alle Gruppen und Parteien wichtig zu sein scheinen. Anschließend wird diese Sammlung dann gesichtet und ein Konsens über den gemeinsamen Kern hergestellt. So wird auch sichtbar, wo noch Unterschiede bestehen, die nicht glattgebügelt werden sollen.

Erst in der vierten Phase geht es um konkrete Projekte und Maßnahmen. Gruppen von Teilnehmern arbeiten an den im Konsens entwickelten Themen: Wer kann mit wem was tun, um hier voranzukommen?

Das ist eine gerade im parteipolitschen Raum ausgesprochen ungewohnte Vorgehensweise, die aber viele Vorteile mit sich bringt: Neben den aus dem Wahlkampf hinlänglich bekannten Positionen können neue und zukunftsrelevante Ideen entwickelt werden. Vor allem wird aber eine gemeinsame Basis erarbeitet, die die Umsetzung vieler Projekte der nächsten vier Jahre deutlich leichter machen würde. Nicht nur der Projekte, die im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden, sondern auch der im Laufe der Legislaturperiode neu hinzukommenden. Passen die Projekte zu der gemeinsamen Basis? Wie hängen sie mit den Trends zusammen und wie mit den anderen Projekten?

(Der Vorschlag ist inspiriert von „Future Search – Getting the Whole System in the Room for Vision, Commitment, and Action”, siehe auch unsere Methodensammlung.)

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